Biografie Friedrich Johann Latscher-Lauendorf
d.i. bis 1899: Friedrich Johann Latscher, 1899-1919: Friedrich Johann (seit 1907: Freiherr) Latscher von Lauendorf; Pseudonyme: Wolfgang Helmuth Freydorf, Wolfgang Friedrich Latscher, Julius Anton Neuweger
*Wien 30. August 1884, †Klagenfurt / Kärnten 26. November 1964
österreichischer Offizier und sozialwissenschaftlicher Privatgelehrter


Friedrich Johann Latscher, Sohn des Feldzeugmeisters, Geheimrats und österreichischen Kriegsministers (1906-1907) Julius Latscher (1846-1909), der 1899 mit dem Prädikat "von Lauendorf" in den Adelsstand, 1907 in den Freiherrnstand erhoben wurde.

Besuch der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt / Niederösterreich.

1905 bis 1919 Offizier in der österreichisch-ungarischen beziehungsweise österreichischen Armee: 1905 bis 1910 als Leutnant beim Dragoner Regiment Nr. 5, 1910 bis 1915 Oberleutnant. 1910 bis 1913 Absolvierung der Kriegsschule (Generalstabsschule) in Wien.

1908 Ehe mit Lilly Werner-Odelga (?-1912); eine Tochter: Priska Latscher-Lauendorf (1910-199?).

1913 bis 1915 als Brigade-Generalstabsoffizier bei der 15. Kavallerie-Brigade in Tarnopol / Galizien [Ternopol' / Ukraine], dann bei der 8. Kavallerie-Train-Division in Stanislau / Galizien [Ivano-Frankovsk / Ukraine]. 1915 Hauptmann des Generalstabskorps; 1915 in der Generalstabsabteilung des 2. Armeekommandos; 1915 bis 1916 am galizischen Kriegsschauplatz als Verbindungsoffizier des Chefs des Generalstabs, Franz Conrad von Hötzendorf (1852-1925).

1916 bis 1917 bei der 4. Ottomanischen Armee unter Ahmad Gamal Pascha (1872-1922) im Raum Syrien-Palästina; Teilnahme an der Suezkanal-Expedition und an den Abwehrkämpfen von Gaza-Bir-seba 1916.

1917 bis 1918 in Aleppo [Halap / Syrien] und Damaskus zur Vorbereitung einer österreichischen Etappenkommission.

1917 Ehe mit Linda von Wagner-Freynsheim (1891-1976); zwei Söhne: Wolfgang (*1919) und Helmuth (1922-1942).

1918 Versetzung nach Belgrad (Beograd).

Nach Kriegsende Rückkehr nach Wien, Dienst im Kommando für den Heeresbereich Wien; Ende 1920 Pensionierung im Range eines Majors des Generalstabs. 1919 bis 1920 Studium der Staatswissenschaften an der Universität Wien; Abbruch. 1923 bis 1932 Unternehmer im Kohlengroßhandel in Wien. 1936 bis 1937 Sekretär des "Kurorte- und Heilbäder-Verbandes". 1937 bis 1938 Angestellter des "Österreichischen Touring-Clubs". 1939 bis 1943 wieder Offizier bei der Wehrersatz-Inspektion XVII, seit 1940 beim Wehrbezirkskommando I in Wien, seit 1941 Oberstleutnant, seit 1944 Oberst; 1944 Pensionierung. 1943 bis 1945 Wiederaufnahme des Studiums an der Universität Wien; Abbruch.

1945 endgültige Übersiedlung nach Unterburg bei St. Kanzian am Klopeiner See / Kärnten, wo er als Privatgelehrter ("sozialwissenschaftlicher Experte") sozialwissenschaftliche Vereine gründete: 1946 auf seinem Grundstück das "Priv[ate] 'Österreichische Soziologische Institut'" (Unterburg-Wien), 1947 die "Österreichische Soziologische Gesellschaft", fortgesetzt 1954 als "Österreichische Sozialwissenschaftliche Gesellschaft" (Unterburg-Wien-Innsbruck), und 1956 zwecks Gründung einer sozialwissenschaftlichen Hochschule in Kärnten den "Freundeskreis: Internationales Hochschul-Zentrum Kärnten" beziehungsweise "Freundeskreis: Internationale Sozialwissenschaftliche Hohe Schule" (Pörtschach am Wörther See-Klagenfurt); alle Vereine stellten mit Latscher-Lauendorfs Tod 1964 ihre Tätigkeit ein und wurden 1965 formal aufgelöst. Plante 1948 die Herausgabe eines "Jahrbuchs 1948/49" beziehungsweise "Jahrbuchs für angewandte Soziologie 1949" der "Österreichischen Soziologischen Gesellschaft", 1952 die Herausgabe einer Zeitschrift "Prisma" der "Österreichischen Soziologischen Gesellschaft". Daneben engagierte er sich im Fremdenverkehr für die Region Jauntal-Klopeiner See.


Weitere biografische Informationen siehe Reinhard Müller: Friedrich Johann Latscher-Lauendorf (1884-1964). Das "(Private) 'Österreichische Soziologische Institut'" und die "Österreichische Soziologische Gesellschaft" (1946/47-1965), in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich. Newsletter (Graz), Nr. 10 (Juni 1994), S. 7-26.


Graz, im März 1992
Reinhard Müller

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