Biografie Hans Riehl
Pseudonyme: Hans Richter, Wigand von Wolfsberg
*Wiener Neustadt / Niederösterreich 7. Juni 1891, †Graz / Steiermark 5. Juni 1965
österreichischer Soziologe, Kunst- und Musikwissenschaftler, Philosoph und Dichter


Hans Karl Anton Riehl, Sohn des Advokaten und Publizisten Anton Riehl (Pseudonym: Rainetholn; 1852-1923) und dessen Frau Johanna Dorothea, geborene Herwisch (1864-1943), ältestes von vier Kindern, dazu vier Kinder aus der ersten Ehe des Vaters. 1901/02 bis 1909/10 Besuch des Gymnasiums in Wiener Neustadt; Matura 1910.

Studium an der Universität Wien: 1910 bis 1911 sowie 1914 bis 1915 Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie, 1911 bis 1916 Rechtswissenschaft; 1923 Dr. rer. pol. mit der Arbeit "Die Hordentheorie. Darstellung und Kritik". 1919 bis 1924 Fortsetzung des Philosophiestudiums; 1928 Dr. phil. mit der Arbeit "Fichtes Schriften zur Gesellschaftsphilosophie" (Philosophie / Kunstgeschichte und Archäologie). Dazwischen 1915 bis 1918 Kriegsdienst beim Landsturm in Wien; wegen Sehfehlers nicht frontdiensttauglich. Daneben 1922 bis 1926 Lehrer für Volkswirtschaftslehre an der Wiener Handelsakademie.

1913 Bekanntschaft mit Othmar Spann (1878-1950) und Erika Spann-Rheinsch (1880-1967), mit denen ihn bald eine enge Freundschaft verband.

1928 habilitiert für Gesellschaftslehre an der Universität Graz mit der Schrift "Fichtes Schriften zur Gesellschaftsphilosophie. II. Teil: Die drei Schriften über den Gelehrten"; 1928 bis 1938 Privatdozent (Priv.-Doz.) ebenda, lebte aber weiterhin in Wien. Daneben Bibliothekar beim Generaldirektor der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft Anton Apold (1877-1950).

1929/30 Gründer des kurzlebigen Instituts für steirische Wirtschaftsforschung an der Universität Graz. 1929 bis 1930 Propaganda-Leiter bei der "Bundes-Führung der österreichischen Selbstschutz-Verbände" in Wien. 1929 bis 1937 Korrespondent des Bundesdenkmalamtes. 1930 außerdem Honorardozent für Volkswirtschaftslehre an der Montanistischen Hochschule Leoben, wo er nur 1933 einen Lehrauftrag erhielt und 1935 seine Dozentur aus politischen Gründen verlor. 1935 wurde sein Ansuchen um eine Venia Legendi für Österreichische bildende Kunst an der Technischen Hochschule (heute: Technische Universität) Graz abgelehnt.

1935 Ehe mit der Geraldirektorstochter Hanna Riehl (*1910); drei Kinder: Eckhart (*1943), Hildegard (*1950) und Gertrud (*1953).

1935 Übersiedlung nach Düsseldorf. Vergebliche Bemühung um die Professur für Kunstgeschichte an der Düsseldorfer Akademie. Jänner bis März 1935 Dozent am Institut für Ständewesen in Düsseldorf.

1935 Übersiedlung nach Graz, wo er seine Lehrtätigkeit an der Universität fortsetzte, seit 1937 mit dem Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors (tit. a.o. Univ.-Prof.). 1938 als Honorardozent für eine neu zu errichtende Honorar-Dozentur für die Kulturgeschichte des österreichischen Berg- und Hüttenwesens an der Montanistischen Hochschule Leoben vorgeschlagen, jedoch abgelehnt.

Am 23. April 1938 Suspendierung an der Universität Graz. Mai 1938 Eintritt in die "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" (NSDAP). 1938 Ansuchen um die Venia Legendi für Kunstwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Ästhetik an der Universität Graz abgelehnt. April 1938 bis Juni 1939 freier Mitarbeiter der "Neuen Freien Presse" (Wien) sowie Lehrer am Konservatorium in Graz. Am 3. März 1939 Wiedererlangung der Lehrbefugnis für Gesellschaftslehre, 1939 außerplanmäßiger Professor (apl. Prof.) der Gesellschaftslehre an der Universität Graz. Daneben 1939 Übernahme der Leitung der Bildergalerie und Skulpturensammlung am Landesmuseum Joanneum, Graz. 1941 Gründer und bis zur Pensionierung 1956 Leiter der Neuen Galerie, Graz. Außerdem 1941 Honorardozent für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule (heute: Technische Universität) Graz und 1942 Leiter des dortigen Kunstgeschichtlichen Instituts. Daneben 1941 bis 1945 Gaubeauftragter für Kunsterziehung und Museumspfleger für den Reichsgau Steiermark.

1946 vom Dienst suspendiert. 1948 Einschränkung auf die Venia Legendi für Soziologie der Kunst an der Universität Graz. Als Privatdozent (Priv.-Doz.), seit 1962 mit dem Titel eines ordentlichen Universitätsprofessors (tit. o. Univ.-Prof.), bis zu seinem Tod Vorlesungen an der Technischen Hochschule (heute: Technische Universität) Graz und zeitweise auch an der Universität Graz. 1957 bis 1965 Leiter der kunstwissenschaftlichen Abteilung der Salzburger Volkshochschule.


Weitere Informationen siehe Reinhard Müller: Hans Riehl (1891-1965). Kunsthistoriker, Philosoph, Soziologe, Dichter, in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich. Newsletter (Graz), Nr. 5 (Juli 1991), S. 12-15.

Graz, im Jänner 1994
Reinhard Müller

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